Grünes Wachstum durch Digitalisierung

Wir leben von der Substanz. Wir verbrauchen deutlich mehr Ressourcen, als natürlich nachwachsen. Wir stoßen mehr CO₂ aus, als wir dürfen, um zumindest das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, das seinerseits einhergeht mit erheblichen Veränderungen der Lebensgrundlage auf diesem Planeten. Hier kann die Digitalisierung helfen, denn sie ermöglicht im Idealfall Wachstum, das entkoppelt ist von dem, was bislang immer damit verbunden war: mehr Ressourcenverbrauch und mehr CO2.

Warum kann die Digitalisierung helfen? Dazu drei Punkte:

  1. Digitale Produkte entwickeln sich exponentiell. Daher nimmt ihre Nutzbarkeit rapide zu, während der notwendige Ressourceneinsatz pro Produkt kaum oder nur gering steigt und sich daher »gegen Null« bewegt. Das Phänomen wurde zum Beispiel von Jeremy Rifkin als »Null-Grenzkosten-Gesellschaft« beschrieben.
  2. Digitalisierung bedeutet Entmaterialisierung und ist daher gleichbedeutend mit Ressourcenerhalt. Ein Beispiel: Aus einem Schlüssel wird eine App. Sie brauchen daher kein Metall mehr als Grundstoff für den Schlüssel. Sie brauchen keine Maschinen für die Fertigung des Schlüssels. Und Sie brauchen auch keine Energie, um die Maschinen zu betreiben. Früher gab es den »Brockhaus«. Tonnen von Papier wurden dafür benötigt. Heute gibt es das Wissen der Welt online.
  3. Die Digitalisierung macht die »Sharing Economy« möglich, die wiederum eine deutlich verbesserte Nutzung der vorhandenen Güter ermöglicht. Ein Auto zum Beispiel ist in erster Linie zum Fahren da. Aber 92 Prozent seiner Zeit ist es irgendwo geparkt. Ist es sinnvoll, in ein Auto und den entsprechenden Unterhalt zu investieren, wenn Sie sich eins mit Freunden oder Nachbarn teilen können? Und wäre das nicht auch nachhaltiger?

Schon heute sorgt die Digitalisierung durch ihre Eigenschaften für das, was ich als »stilles, grünes Wachstum« bezeichne. Weil Carsharing oder die Nutzung von Online-Enzyklopädien wie Wikipedia Kosten sparen oder kostenlos sind, erkennt man den Zuwachs an Wohlstand und den gestiegenen Lebensstandard nicht mehr am Bruttoinlandsprodukt. Das (digitale) Wachstum ist da, aber es zeigt sich nicht an den Kennziffern, die wir verwenden. Es entstehen also ganz neue Dimensionen der Effizienz.

Die Unternehmensberatung Accenture hat vor einiger Zeit die Studie »Europe’s new dawn« publiziert. Demnach kann die Digitalisierung nicht nur zur Lösung umweltbedingter Probleme beitragen. Sie bietet auch Antworten auf weitere drängende Fragen wie der Bildung, der Gesundheit oder der Ernährung. Durch konsequente Anwendung digitaler Technologien könnte der CO₂-Ausstoß um 34 Prozent gesenkt werden. Durch Carsharing könnte die Zahl benötigter Fahrzeuge um 35 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig sorgen intelligente Verkehrsleitsysteme für weniger Staus in den Städten. Und spätestens seit Corona wissen wir: Nicht jede (Flug-) Reise ist notwendig. Videokonferenzen helfen, Reisen und damit den Einsatz von Energie zu reduzieren.

Einsparung durch Digitalisierung

Die Telekom ermöglicht mit ihren Lösungen und Produkten beträchtliche CO₂-Einsparungen bei ihren Partnern: 2020 lagen die in Deutschland bei unseren Kunden ermöglichten positiven CO₂-Effekte um 605 Prozent höher als unsere eigenen CO₂-Emissionen (Enablement-Faktor von 7,1 zu 1). Die positiven CO₂-Effekte, die auf Kundenseite durch die Nutzung unserer Produkte und Lösungen ermöglicht werden, stiegen von 13,9 auf 35,8 Millionen Tonnen. Europaweit waren die positiven CO₂-Effekte um 331 Prozent höher als unsere eigenen CO₂-Emissionen (Enablement-Faktor von 4,31 zu 1), sodass wir insgesamt 38 Millionen Tonnen Einsparungen ermöglichen.

Unsere Berechnung basiert auf den anerkannten ­GeSI-Prinzipien und kalkuliert den Reboundeffekt mit ein, also einen gesteigerten Verbrauch sparsamer Anwendungen. Bisher herrscht bei der Berechnung des Enablement-Faktors ein Wildwuchs, der Vergleiche erheblich erschwert. Deshalb begrüßen wir die Überlegungen der Europäischen Kommission, die Kalkulation zu standardisieren. Vergleichbarkeit und Einheitlichkeit sind die Grundlage dafür, »grüne« Kriterien bei Ausschreibungen, Förderprojekten etc. angemessen und fair zu berücksichtigen und bloßes Greenwashing zu vermeiden.

Telekom mit klaren Klimazielen

Falsch wäre es allerdings, der Digitalisierung und damit den digitalen Unternehmen per se einen grünen Unbedenklichkeitsstempel zu verpassen. Die Digitalisierung kann Probleme lösen, aber sie schafft auch neue. Etwa den Elektroschrott, der durch kurzlebige technische Geräte wie Smartphones entsteht. Rund 200 Millionen alte Mobilfunkgeräte liegen immer noch irgendwo in deutschen Schubladen. Ressourcen, die recycelt werden könnten.

Oder der Energieverbrauch. Wäre das Internet ein Staat, stünde es Greenpeace zufolge in der Liste der Länder mit dem höchsten Stromverbrauch auf Platz sechs. Und auch wenn die Digitalisierung nach verschiedenen Rechnungen zwischen sechs- bis zehnmal mehr Energie einspart, als sie verbraucht, muss es der Digitalwirtschaft darum gehen, selbst effizienter zu werden.

Die Telekom setzt sich bereits seit den 90er-Jahren aktiv für den Klimaschutz ein und baut ihr Engagement stetig aus. Mit unseren neuen Klimazielen werden wir unserem Anspruch gerecht, führender europäischer Telekommunikationskonzern zu sein – auch in Sachen Nachhaltigkeit. Bis 2025 wollen wir bei Scope 1 und 2 (also den direkten und indirekten Emissionen) klimaneutral sein, bis 2040 auch entlang der Wertschöpfungskette (Scope 1, 2 und 3). Das schließt die Emissionen mit ein, die bei der Herstellung und Nutzung unserer Produkte anfallen. Seit Anfang 2020 decken wir in unserem Heimatmarkt Deutschland 100 Prozent des Strombedarfes aus erneuerbaren Energien; im Laufe dieses Jahres werden wir dies für den Bedarf des gesamten Telekom-Konzerns weltweit erreichen. Dabei handelt es sich nicht nur um den Energieverbrauch des gesamten Telekom-Netzes, sondern auch um jeglichen sonstigen Strombedarf im Konzern. Hierfür setzt die Telekom mittelfristig auf einen Mix aus grünen Tarifen, Power Purchase Agreements ( »Stromabnahmevereinbarungen«), ­Herkunftsnachweisen und Eigenerzeugung.

Effiziente Netze

Leistungsstarke und sichere Kommunikationsnetze sind das Rückgrat der Digitalisierung. Die Coronapandemie hat gezeigt, wie sehr Wirtschaft und Gesellschaft auf hochleistungsfähige Netze angewiesen sind – überall in Deutschland, im Festnetz wie im Mobilfunk. Der schnelle Ausbau von FTTH-Glasfasernetzen (fibre to the home) und 5G-Mobilfunk ist daher eine der zentralen infrastrukturpolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Auch klimapolitisch sind FTTH und 5G wegen ihrer Effizienz ein Gewinn. Bisher ist es der Branche auch gelungen, die Emissionen trotz ansteigenden Datenverkehrs konstant zu halten – durch beachtliche Effizienzsteigerungen in Netzen und Rechenzentren.

2020 lagen die in Deutschland bei unseren Kunden ermöglichten positiven CO₂-Effekte um 605 Prozent höher als unsere eigenen CO₂-Emissionen.

So wird sich die Energieeffizienz unserer Netze zwischen 2019 und 2024 um mehr als 50 Prozent verbessern. Den Energieverbrauch im Festnetz werden wir so bis 2025 kontinuierlich senken und dann stabil halten können. Im Mobilfunk wird der Energieverbrauch trotz Effizienzmaßnahmen stetig steigen, denn die Datennutzung wächst rasant. Umso wichtiger ist es, dass jeweils aktuelle Mobilfunktechnologien eingesetzt werden, die deutlich effizienter sind. So ist der neue Mobilfunkstandard 5G nicht nur ultraschnell und unerlässlich für das Internet der Dinge, er weist auch eine deutlich höhere Energieeffizienz (bit per watt) auf als vorangegangene Standards. Studien zufolge werden rund 85 Prozent weniger Emissionen pro Byte für das Jahr 2030 im Vergleich zum heutigen Mobilfunknetz prognostiziert, bereits heute mindestens zehn Prozent. Die Telekom hat das größte 5G-Netz Deutschlands. Bis 2025 soll eine Abdeckung von 99 Prozent der Haushalte und 90 Prozent der Fläche erreicht sein. Wir schalten unser 3G-Netz ab und sparen damit jährlich 42 Gigawattstunden in fünf Ländern. Das entspricht dem jährlichen Energiebedarf von 10.000 Einfamilienhäusern. Allerdings verursachen 5G-Ausbau und die Produktion 5G-kompatibler Smartphones auch Emissionen, was das Bild trübt.

Im Mobilfunk wird der Energieverbrauch trotz Effizienzmaßnahmen stetig steigen, denn die Datennutzung wächst rasant.

Im Festnetz ist FTTH die leistungsfähigste Netztechnologie. Zum einen kann FTTH 500-mal mehr Daten über eine zehnmal längere Strecke transportieren als herkömmliche Kupferleitungen. Zum anderen ist die Übertragung von Licht deutlich energieeffizienter als die elektronische Datenübermittlung. Bei einer deutschlandweiten Versorgung mit Glasfasernetzen könnten also große Mengen Energie eingespart werden. Darum brauchen wir jetzt einen Investitionsschub in Richtung FTTH, wie die Telekom ihn betreibt. Denn rein auf die Netzwerktechnik bezogen ist zum Beispiel der Energieverbrauch von Kupfer-Koaxial-Kabeln der Kabelunternehmen pro Anschluss etwa drei Mal höher als beim Glasfasernetz der Telekom. Bis 2024 werden wir zehn Millionen Haushalte mit Glasfaser bis in die Wohnung anschließbar machen. Bis 2030 sollen rund 60 bis 70 Prozent aller Haushalte mit FTTH von der Telekom versorgt werden. Gemeinsam mit Wettbewerbern sollen es rund 95 Prozent oder mehr sein.

Agenda für 2022

  • Vereinheitlichung von Standards zur Messung der Energieeffizienz zur besseren Vergleichbarkeit
  • Einführung eines europaweiten Eco-Ratings für Mobiltelefone
  • Europaweite Abschaltung der 3G-Netze (UMTS)
  • Deckung des Strombedarfs der Telekommunikationsunternehmen zu 100 Prozent aus Erneuerbaren

Rechenzentren: Steigende Effizienz trotz wachsender Datenmengen

Mindestens ebenso wichtig wie leistungsstarke Telekommunikationsnetze sind effiziente Rechenzentren. Im vergangenen Jahrzehnt verzwanzigfachte sich die verarbeitete Datenmenge bei gleichzeitiger Verzehnfachung der weltweiten Rechenzentrumsleistung. Dabei ist von einem weiter deutlich ansteigenden Bedarf an Rechen- und Speicherleistung und damit von einem ­verstärkten Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur auszugehen.

Die Annahmen über Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen gehen weit auseinander. Der Bitkom hält eine Größenordnung der weltweiten Treibhausgasemissionen der Rechenzentren von 200 bis 250 Mt CO₂e (inklusive Herstellung) für plausibel. 60 Prozent davon gehen auf IT-Komponenten wie Server, Speichersysteme und Netzwerke zurück, 40 Prozent auf Infrastruktur für Kühlung, Klimatisierung sowie sichere Stromversorgung. Die EU-Kommission geht von einem Anstieg des Energieverbrauchs der Rechenzentren in der EU auf 98,5 Terawattstunden bis 2030 aus. Gleichzeitig halten Experten Effizienzsteigerungen von 25 Prozent bis 2030 für möglich. So ist das Sparpotenzial durch Cloud- und Edge-Cloud-Lösungen in Europa alles andere als ausgeschöpft.

Bisher trugen umfangreiche Effizienzmaßnahmen zu einer Senkung der CO₂-Emissionen des Rechenzentrumsbetriebs in Europa bei – trotz stark steigender Datenmengen. Doch dieser Effekt ist endlich. Die Telekom versucht, Effizienzpotenziale möglichst umfassend zu heben. Unser Rechenzentrum in Biere (bei Magdeburg) genügt. Der Stromverbrauch ist rund 30 Prozent niedriger als in herkömmlichen Rechenzentren. Durch modernste Klimatechnik können mehr als 80 Prozent der Betriebszeit allein durch Außenluft gekühlt werden. Der als Maßstab für die Energieeffizienz geltende PUE (power usage effectiveness) liegt bei 1,31. Die besten industriellen Rechenzentren der Welt unterschreiten 1,2. Der Durchschnitt aller Rechenzentren in Deutschland liegt bei etwa 1,8. Zwischen 2011 und 2020 haben wir den durchschnittlichen globalen PUE-Wert unserer T-Systems-Rechenzentren von 1,85 auf 1,61 gesenkt. Und wir werden ihn weiter reduzieren.

Die EU wird im Rahmen des »Green Deal« neue Effizienzvorgaben für Rechenzentren machen. Rechenzentren sollen bis 2030 klimaneutral sein. Die genaue Definition von klimaneutralen, effizienten Rechenzentren ist bisher aber ebenso unklar wie der Weg dorthin. Wir plädieren dafür, neue Regeln und Kennzahlen in enger Abstimmung mit der Industrie zu entwickeln, um eine Abwanderung von Rechen- und Wirtschaftsleistung in Regionen mit geringeren Nachhaltigkeitsanforderungen zu vermeiden.

Agenda für 2025

  • 5G-Abdeckung über 90 Prozent der Fläche in Deutschland
  • Zehn Millionen Haushalte mit Glasfaser bis in die Wohnungen (FTTH) allein durch Telekom versorgt
  • Klimaneutralität der Telekom bei direkten und in­direkten Emissionen (Scope 1 und Scope 2)

Europäische Souveränität im Cloudmarkt

Die EU hat die digitale Souveränität Europas zu einem Kernanliegen gemacht und möchte mehr Unabhängigkeit in technologischen Schlüsselbereichen der digitalen Transformation erlangen. Rund 95 Prozent des Cloudmarkts werden von Firmen aus den USA oder China beherrscht (Amazon, Microsoft, Google, IBM, Alibaba), die auch beim Ausbau und Betrieb von Rechenzentren von Skalenvorteilen profitieren.

GAIA-X soll die europäische Position im Cloudmarkt verbessern helfen. Die deutsch-französische Initiative soll die Basis für ein europäisches Cloud-Ökosystem werden. Es geht darum, eine leistungs- sowie wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa zu entwickeln. GAIA-X soll zentrale und dezentrale digitale In­frastrukturen zu einem homogenen und nutzerfreundlichen System vernetzen und europäische Anforderungen an die digitalen Infrastrukturen definieren – dazu werden auch Umweltkriterien gehören. Mit GAIA-X gäbe es also die Chance, europäische Standards für die Cloud (auch hinsichtlich Nachhaltigkeit) zu formulieren und zu etablieren – und diese in die Regeln für öffentliche Beschaffung und Förderung durch die öffentliche Hand zu integrieren.

Der schnelle Ausbau von FTTH-Glasfasernetzen (fibre to the home) und 5G-Mobilfunk ist eine der zentralen infrastrukturpolitischen Herausforderungen unserer Zeit.

Ein weiterer Aspekt in diesem Bereich, der zu beachten ist, sind sehr unterschiedliche Strompreise im EU-Binnenmarkt. Die aktuellen Regelungen in der europäischen Energiesteuerrichtlinie (2003/96/ EG) führen dazu, dass die Steuern und Abgaben auf elektrischen Strom in Europa stark variieren. Das Betreiben von Rechenzentren in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Standorten mit deutlich höheren Stromkosten verbunden: Diese sind in Deutschland für ein durchschnittliches Rechenzentrum mit einem Stromverbrauch von fünf Megawatt bis zu fünf Millionen Euro im Jahr höher als in europäischen Nachbarländern. Der Grund: Es werden die EEG-Umlage und die volle Stromsteuer fällig. Dieses Ungleichgewicht muss abgestellt werden. Ein Beispiel: Die Deutsche Telekom hat 2019 bei einem Stromverbrauch von circa 2,9 Terawattstunden rund 185 Millionen Euro an EEG-Umlage (plus 50 Millionen Euro Stromsteuer) gezahlt. Dies entspricht den Ausbaukosten von circa 180.000 FTTH-Anschlüssen. Die EEG-Umlage wirkt folglich in zweifacher Hinsicht wie eine Strafsteuer auf den Digitalisierungsfortschritt, indem sie die – politisch gewollte – intensivere Netznutzung durch digitale Dienste »besteuert« und die Investitionskraft der Netzbetreiber schwächt.

In Kreisläufen denken

Ein konsequenter Weg zur Kreislaufwirtschaft in Europa ist unerlässlich, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Die EU-Kommission hat mit dem »Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft« Maßnahmen vorgeschlagen, die den Lebenszyklus von Produkten verlängern und Elektroschrott reduzieren sollen. Die Deutsche Telekom hat diesen Weg bereits eingeschlagen und ist bereit, ihn konsequent weiterzugehen.

Die Hälfte der Emissionen der Endgeräte etwa entsteht in der Herstellung – bei klassischen Smartphones mit kürzerer Lebensdauer mehr als bei größeren Endgeräten wie Tablets. Eine Verlängerung der Lebensdauer dieser Geräte durch neue Anforderungen an Qualität, Reparierbarkeit und eine zweite Lebensphase ( »Re-Use«) kann Emissionen senken. Zudem lässt sich so der Ressourceneinsatz reduzieren.

Laut dem aktuellen »Circularity GAP Report« können bis zu knapp 40 Prozent der Treibhausgase durch Kreislaufwirtschaft gesenkt werden, indem die Zirkularität heutiger Produkte und Lösungen mindestens verdoppelt und so der Einsatz von neuen Ressourcen um bis zu 30 Prozent reduziert wird. Konsequent umgesetzt könnte dies bereits zu einer 85-Prozent-Erreichung der Klimazielsetzungen bis 2050 führen.

Im Rahmen des Programms »#Green Magenta« sorgt die Telekom für einen nachhaltigen Smartphone-Kreislauf. Beim Kauf eines Neugeräts können Kunden ihr gebrauchtes Smartphone in Zahlung geben. Die Telekom bereitet ausgewählte Geräte professionell wieder auf. Alle Geräte, die nicht von der Telekom angekauft werden, können an das Telekom Recycling Center gesandt werden. Seit Einführung der Handyrücknahme im Jahr 2003 hat die Deutsche Telekom bereits mehr als drei Millionen gebrauchte Geräte ressourcenschonend weiterverwendet oder recycelt. Allein im Jahr 2020 wurden von der Telekom in Deutschland rund 250.680 gebrauchte Handys und Smartphones zurückgenommen. Mit dem Service »Mieten statt kaufen« schonen wir Ressourcen, reduzieren den Elektronikabfall und vermeiden so auch CO₂-Emissionen.

Gemeinsam mit Vodafone, Orange, Telefónica und Telia haben wir außerdem ein neues »Eco-Rating«. Es gibt Verbrauchern Auskunft über die Nachhaltigkeit ihres Smartphones und wurde bereits in 24 europäischen Ländern für die Handys von zwölf Herstellern ausgerollt. Außerdem werden wir unser Angebot zu aufbereiteten Handys bis Jahresende im Heimatmarkt Deutschland erweitern.

Kooperation und Konsequenz

Die Digitalisierung kann und wird bei richtiger Ausgestaltung einen zentralen Beitrag leisten, die Klimaziele zu erreichen. Die Telekom als großes Unternehmen hat die Kraft, aber auch die Verantwortung, Lösungen zu finden. Aber es geht nicht alleine. Wir brauchen Kundinnen und Kunden, die Partner entlang der Wertschöpfungskette, die uns begleiten und unterstützen. Und natürlich ist auch die Politik weiterhin gefragt, um etwa die Energiewende konsequent weiterzuverfolgen.

Es muss insgesamt eine Transformation der Gesellschaft geben, bei der Klimaschutz und Wohlstandswachstum kein Gegensatz sind. Nachhaltigkeit heißt immer: Ökologie, soziale Gerechtigkeit und Wohlstand gleichzeitig zu denken. Es geht nicht darum, was wir morgen machen wollen. Sondern darum, was wir heute machen.

Agenda für 2030

  • Klimaneutralität der europäischen Rechenzentren
  • Mindestens 95 Prozent aller deutschen Haushalte mit FTTH versorgt (Telekom plus Wettbewerber)

Timotheus Höttges, geb. 1962, ist seit Januar 2014 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG. Höttges arbeitete nach seinem BWL-Studium an der Universität Köln drei Jahre in einer Unternehmensberatung. Ende 1992 wechselte er zum VIAG-Konzern und war dort an der Fusion von VIAG AG und VEBA AG zur E. ON AG beteiligt. 2000 wechselte er zur Deutschen Telekom. In seine Zeit als Vorstandsvorsitzender fällt die Fusion der T-Mobile US mit dem Anbieter Sprint in den USA. Zudem hat die Telekom unter Höttges die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung als Ziel in die Unternehmensstrategie aufgenommen.