Wie Beratung die Transformation der Wirtschaft unterstützt

Wie unter einem Brennglas hat zuletzt die COVID-19-­Pandemie deutlich gemacht, dass viele Unternehmen, aber auch der öffentliche Sektor sich neu aufstellen müssen. Als Berater sehen wir unsere Aufgabe darin, Kunden bei der Bewältigung der fundamentalen Transformation in eine digitale und klimaneutrale Zukunft zu unterstützen. Dabei wird künftig nicht nur die entsprechende Expertise, sondern auch ein klarer Wertekompass gefragt sein.

Wenn die Welt komplexer und die Probleme größer werden, dann profitieren die Berater. Allein in Deutschland haben sich die Umsätze der Branche seit 2009 verdoppelt. Zwar war 2020 pandemiebedingt ein leichter Rückgang zu verzeichnen, doch längst boomt der Markt wieder. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird.

Beratung wird immer digitaler werden – im Kern aber ein people business bleiben.

Kein Wunder, sorgen doch die notwendige Digitalisierung und die Transformation hin zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft für stetigen »Nachschub« beim Beratungsbedarf. Wir stehen vor einem der tiefgreifendsten Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte – und Organisationen brauchen fachkundige Unterstützung, um ihn zu meistern. Deshalb wird qualitativ hochwertige und perspektivisch ausgerichtete Beratung auch weiterhin stark nachfragt werden.

Beratung wird virtueller und individueller

Dabei ist auch die Beratungsbranche selbst – befördert nicht nur, aber auch durch COVID-19 – im Wandel. Wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kundenunternehmen auch in Zukunft mehr Zeit im ­Homeoffice verbringen, wird der Anteil virtueller Formen der Kollaboration weiterhin eine wichtige Rolle spielen oder bei einigen Kunden zum Standard werden.

Schon heute ist zu beobachten, dass sich viele Kunden an die Zusammenarbeit in (teil-) virtuellen Projekten gewöhnt haben und sie häufig selbst einfordern. Die Vorteile liegen auf der Hand, zum Beispiel hat die Virtualisierung die Arbeit internationaler Projektteams auf Kunden- und Beratungsseite ganz klar erleichtert. Dadurch ist die Beratungswelt deutlich ­globaler geworden.

Wir erwarten daher keine Rückkehr in das bisherige Standardmodell  (das heißt,  alle Beraterinnen und Berater sind fast die ganze Woche im Kundenunternehmen), sondern in Zukunft einen wachsenden Anteil maßgeschneiderter Lösungen, die sich an der jeweiligen Situation der Klienten orientieren. Der Modus Operandi von Beratung ändert sich damit: im Sinne der Kunden, aber auch im Sinne der Beraterinnen und Berater, deren individuelle Vorlieben für viel oder wenig Reisezeit beziehungsweise Präsenz am Projektstandort sich damit ganz anders als bisher berücksichtigen lassen.

Digitalisierung schafft Freiraum für neue Lösungen

Wie in fast allen anderen Branchen spielt die Digitalisierung mit Stichwörtern wie Big Data oder künstliche Intelligenz auch in der Beratung eine wichtige Rolle. Aber sie ersetzt sie nicht. Der Kern des Geschäfts, nämlich unseren Klienten hochqualitative, maßgeschneiderte Beratungsdienstleistungen anzubieten, wird erhalten bleiben.

Trotzdem werden einige Tätigkeiten, die heute noch manuell erledigt werden, künftig (teil-) automatisiert abgewickelt werden. Das gilt vor allem für den Bereich der Analyse: Mussten Juniorberaterinnen und -berater früher oft in mühsamer Kleinstarbeit Daten zusammentragen, etwa um spezifische Benchmarks aufzubereiten, lassen sich riesige Datenmengen heute in kürzester Zeit auswerten. Die Analyse wird dadurch anspruchsvoller: Sie erfordert zwar weniger Kapazität, aber mehr Expertise.

Wir glauben, dass diese Entwicklung Freiraum für Kreativität und neue Lösungen in den Unternehmen schafft, weil die Beschäftigten von zeitraubenden Routinetätigkeiten entlastet werden. Gleichzeitig wird die Aussagekraft von Daten und Analysen deutlich steigen. Die Herausforderung für die Beratungsbranche besteht dabei darin, digitale Standards, Instrumente und Prozesse zu nutzen, ohne den Fokus auf individuelle Lösungen für unsere Kunden zu verlieren. Denn noch mehr als früher werden von uns Beratern passgenaue, klare und umsetzbare Ergebnisse erwartet. Nicht umsonst orientiert sich die Vergütung von Projekten immer häufiger an deren Erfolg.

Obwohl die Bedeutung digitaler Technologien auch bei uns eine immer größere Rolle spielt, sollten wir nie vergessen, dass der Mensch im Zentrum unseres Handelns steht. Bei aller Expertise zählt Empathie zur persönlichen »Grundausstattung« eines jeden guten Consultants. Beraterinnen und Berater müssen ihre Auftraggeber »abholen« und gemeinsam Lösungen für deren teilweise sehr komplexe Fragen finden.

Beratung wird deshalb in Zukunft ein Balanceakt zwischen Virtualität und Präsenz sein. Wir bei Roland Berger sind davon überzeugt, dass gute Beratung ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen Kundinnen und Kunden auf der einen und Beraterinnen und Beratern auf der anderen Seite braucht. Ein solches Verhältnis lässt sich ohne persönlichen Kontakt nur schwer aufbauen. Die Coronapandemie hat zwar gezeigt, dass sich vieles auch online lösen lässt – zumindest besser als gedacht. Doch gerade beim Kennenlernen sowie in der Anfangs- und Endphase von Projekten oder bei der Klärung von Schlüsselfragen können virtuelle Formen ein »echtes« Miteinander von Angesicht zu Angesicht nicht ersetzen.

Agenda für 2022

Unternehmen brauchen Sicherheit, damit sie in neue Technologien investieren. Die Politik muss deswegen noch 2022 klare Rahmenbedingungen schaffen, insbesondere im Hinblick auf die Schließung der Ökostromlücke. Parallel müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie durch international konkurrenzfähige Stromkosten sichern. Investitionen in klimaneutrale Schlüsseltechnologien kann die Politik unter anderem durch sogenannte contracts for difference (CfD) fördern, die Mehrkosten ausgleichen.

Wertorientiertes Selbstverständnis der neuen Generation

Doch nicht nur die Beratung, auch die Beraterinnen und Berater ändern sich. So beobachten wir seit einigen Jahren, dass sich das Selbstverständnis der Consultants, geprägt sicher auch von den Wünschen der Generationen Y und Z, deutlich verschoben hat. Das Bild ist heterogener geworden: Viele unserer Kolleginnen und Kollegen sind gerne unterwegs und beim Kunden vor Ort, zunehmend auch auf internationaler Ebene. Das Kennenlernen verschiedener Kulturen gilt als Wert an sich. Gleichzeitig wird gerne Zeit zu Hause mit der Familie oder Freunden verbracht. Diese Bindungen wurden früher häufig hintangestellt, spielen aber für beide Geschlechter heute eine wichtige Rolle. Beides werden wir in Zukunft noch stärker ermöglichen. Der steigende Anteil von Remote- oder virtuellen Projekten unterstützt uns dabei.

Ein weiteres wichtiges Anliegen unserer Firma – wie der Branche insgesamt – ist es, die Diversität der Teams weiter zu erhöhen. Ein Projektteam ist nur dann erfolgreich, wenn alle Beteiligten ihre Perspektiven, Talente und Expertisen einbringen können. Wir sind davon überzeugt und haben selbst vielfach die Erfahrung gemacht, dass Teams mit verschiedenen Hintergründen die kreativsten Strategien entwickeln.

Was eine erfolgreiche Beratungsgesellschaft – nicht nur im Hinblick auf Attraktivität bei den Consultants, sondern insgesamt – künftig auszeichnen wird, ist eine klare Wertorientierung, nach innen und außen. Fragen wie die, für wen wir arbeiten, welchen Strategien unsere Beratung zum Durchbruch verhelfen soll oder welche Überzeugungen ein Unternehmen vertritt, dessen Performance wir steigern sollen, mögen früher nachrangig gewesen sein. Doch Berufseinsteiger und Young Professionals, aber auch Partner, Medien und die Öffentlichkeit fordern immer nachdrücklicher – und zu Recht – überzeugende Antworten, auch wenn die nicht immer einfach zu finden sind und manchmal abgewogen werden muss.

Es geht um Glaubwürdigkeit. Nach innen und außen

Es ist entscheidend für den Erfolg der Beratung, sowohl nach innen den Beschäftigten gegenüber wie auch nach außen zum Kunden glaubwürdig zu sein. Dies gilt insbesondere beim Klimaschutz. Der Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit, insbesondere der jeweilige Beitrag zum Ziel der Klimaneutralität, wird für alle Unternehmen in Zukunft einen wichtigen Wettbewerbsfaktor darstellen. Deshalb ist eine umgehende Bearbeitung nicht nur eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung – wo gewiss Eile geboten ist –, sondern auch eine Frage der künftigen Geschäftschancen unserer Kunden.

Wir selbst haben uns das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2028 Netto-Nullemissionen zu erreichen. Dieses Ziel wurde auch durch die »Science Based Targets initiative« validiert. Angesichts des im Vergleich mit produzierenden Unternehmen geringen CO2-Fußabdrucks der Branche zählt dies zu den lösbaren Aufgaben. Die entscheidenden Hebel sind aufgrund der hohen Scope-3-Emissionen ein angepasstes Reiseverhalten mit insgesamt weniger Reisen, mehr Bahn- statt Flugreisen und ein höherer Homeoffice-Anteil. Dies immer in Einklang mit den Anforderungen unserer Kunden im Hinblick auf Präsenz unserer Teams vor Ort. Hier hat die Corona-Herausforderung eine wirkliche Disruption unserer Branche befördert, denn Meetings in digitalen Formaten sind nicht mehr geduldet – wie früher –, sondern breit akzeptiert und werden von vielen Klienten aktiv nachgefragt. Ein weiterer wichtiger Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie ist eine Ablösung einer traditionellen Firmenwagenrichtlinie durch breitere Mobilitätsangebote, die unter anderem auch Elektromobilität und Klimafreundlichkeit besonders fördern.

Der verbleibende CO2-Fußabdruck wird mit einem zertifizierten Portfolio aus Klimaschutzprojekten in den Bereichen Aufforstung, Verhindern von Rodungen, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien ausgeglichen. Derzeit geschieht dies noch über Kompensation bei renommierten zertifizierten Anbietern, wir werden jedoch in den kommenden Jahren eigene Kapazitäten zur Produktion erneuerbarer Energien oder Aufforstungsprojekte aufsetzen, um spätestens ab 2028 mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entziehen, als in sie zu emittieren.

Um das Querschnittsthema Klimaschutz konsequent in unserer Projektarbeit zu verankern, werden wir künftig bei Projekten ab einer Mindestgröße auf Wunsch ein kostenloses »Climate Impact Assessment« in Form einer Kurzanalyse durchführen. Dieses setzt dort an, wo der jeweilige Kunde aktuell steht, und kann von der Unterstützung bei der Analyse des CO2-Fußabdrucks über die Definition von Maßnahmen zur Reduzierung desselben bis zur Überprüfung des Umsetzungsstandes von Klimaschutzmaßnahmen reichen.

Agenda für 2025

Bis 2025 wird der globale Markt für Umwelttechnik auf knapp sechs Billionen Euro wachsen. Das ist eine riesige Chance für die exportorientierte deutsche Industrie. Die Politik muss gleichzeitig verhindern, dass CO2-intensive Industrien in weniger streng regulierte Märkte abwandern (Carbon-Leakage). Carbon Border Adjustment Mechanisms (CBAM) sind ein Lösungsansatz. Dabei sollte Deutschland konsequent multilateral vorgehen und stets abgestimmt mit europäischen und internationalen Partnern agieren.

Der Transformationsdruck trifft Unternehmen in ohnehin fordernden Zeiten

Die Wirtschaft steht vor der denkbar umfassendsten Umstellung ihrer Geschäftstätigkeit der letzten Jahrzehnte, denn die Transformation hin zu Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit verändert praktisch alles: Die gesamte Wertschöpfungskette ist betroffen, angefangen bei der Produktentwicklung, über Herstellung und Einkauf bis hin zum Vertrieb. Ohne organisatorische Neuaufstellung kann und wird sie nicht gelingen.

Doch damit ist es nicht getan. Unternehmen müssen heute meist mehrere Transformationsprojekte gleichzeitig bewältigen und ihr Portfolio viel aktiver als früher managen. Während in einer Abteilung restrukturiert wird, sind parallel Zukäufe zu integrieren. Ein weiterer Drahtseilakt: Die Firmen müssen ihre Margen absichern, aber gleichzeitig massiv in Zukunftstechnologien investieren, um nicht abgehängt zu werden. Denn Innovation wird künftig noch wichtiger sein, vor allem im internationalen Vergleich. Wer forschen und neue Produkte oder Services entwickeln will, braucht dafür aber die nötigen Mittel. Damit rücken für uns traditionell wichtige Themen wie Performance-Improvement, verbunden mit Innovation, in noch nicht da gewesener Form in den Fokus der Beratung.

Wir stehen vor einem Jahrzehnt harter Transformationen. Auch die öffentliche Verwaltung wird sich verändern müssen.

In dieser herausfordernden Situation möchten wir unseren Kunden helfen, die Dekarbonisierung stärker als Chance denn als Risiko zu begreifen. Denn die gibt es zweifellos: Am Ende werden Unternehmen, die jetzt konsequent handeln, einen klaren Wettbewerbsvorteil haben. Natürlich benötigen sie dafür die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen, denn insbesondere die energieintensive Industrie wird die geplanten Ziele ohne Flankierung durch geeignete Maßnahmen nicht schaffen. In einer aktuellen Studie, die wir gemeinsam mit Agora Energiewende und der Stiftung 2° erstellt haben, zeigen wir, mit welchem Instrumentenmix der richtige Rahmen für eine erfolgreiche Industrietransformation hin zu Klimaneutralität gesetzt wird (siehe hierzu auch die Agenden).

Wettbewerbsfähigkeit in einer dekarbonisierten Welt

Wir versuchen, Unternehmen auf dem Weg mit unserer Expertise und den daraus entwickelten Lösungen zu unterstützen. Sie reichen von der Verbesserung der Klimaschutzperformance und der Klimaresilienz über Investitionen in klimafreundliche Methoden und Geschäftsmodelle bis hin zu Kreislaufstrategien. So helfen wir Organisationen aller Größen aus dem privaten und dem öffentlichen Sektor dabei, herauszufinden, inwieweit Umwelt- und klimabezogene Entwicklungen ihre jeweilige Geschäftstätigkeit beeinflussen. Damit schaffen wir die Basis für die Entwicklung individueller Strategien, mit denen sich die Wettbewerbsfähigkeit in einer dekarbonisierten Welt sichern und steigern lässt.

Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir außerdem klimaneutrale Strategien und beleuchten die finanziellen Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen – oder fehlender Maßnahmen – auf deren Umsatz- und Kostenstruktur.

Zu den kurz- und langfristigen Auswirkungen des Klimawandels zählen auch Verschiebungen in der Kundennachfrage, Veränderungen bei den weltweiten Lieferketten oder auch Infrastrukturschäden. Eine Klimaresilienz-Strategie macht Unternehmen widerstandsfähiger gegen solche Veränderungen und unterstützt Entscheidungsprozesse unter ungewissen Rahmenbedingungen. Im Beratungsbereich Klimainnovation helfen wir bei der Entwicklung und Realisierung emissionsarmer und klimafreundlicher Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Geschäftsmodelle. Unser Programm für Klimastrategie und Transformation im öffentlichen Sektor unterstützt staatliche Organisationen bei der Entwicklung von Strategien, die sowohl ihre eigene Klimaperformance verbessern als auch ein erfolgreiches Management der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation ermöglichen.

Bei der Digitalisierung sind noch einige Schritte zu gehen

Die Digitalisierung ist ein notwendiger Hebel auf dem Weg in eine klimaneutrale Wirtschaft. Das Potenzial der neuen Technologien wird dabei meines Erachtens immer noch unterschätzt – vielleicht auch deshalb, weil es sich noch nicht in den Kennzahlen zur volkswirtschaftlichen Produktivität niederschlägt.

Hier rate ich zu entschiedenem Handeln, gleichzeitig auch zur Geduld. Die Digitalisierung ist eine tiefgreifende Veränderung, die sich auf breiter Basis in der gesamten Wirtschaft niederschlägt. Eine solche gener­al-purpose technology braucht Zeit, bis sie in messbar produktivitätssteigernden Innovationen spürbar wird. So hat es Ende des 19. Jahrhunderts auch rund 20 Jahre gedauert, bis die Produktivität der Fabriken im Zuge der Elektrifizierung gestiegen ist.

Die Pandemie hat der Digitalisierung einen wichtigen Schub verpasst – insbesondere an der Kundenschnittstelle. Dieser Schub muss sich jetzt in allen Produktionsabläufen durchsetzen. Seit rund zehn Jahren sprechen wir von »Industrie 4.0«, doch bei der Implementierung sind noch immer große Lücken zu sehen. Wenn wir unsere Branche als Rückgrat der deutschen Wirtschaft erhalten wollen, ist eine entschiedene, stringente und strategische Digitalisierung entscheidend.

Das Problem ist: Viele Unternehmen arbeiten seit Jahren an dem Thema, optimieren ihre Systeme und fügen dem bestehenden IT-Kern immer neue Programme hinzu. Die daraus resultierende Komplexität schränkt jedoch ihre Fähigkeit ein, wirklich digitale Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und eine attraktive Kundenschnittstelle entlang der gesamten Customer-Journey aufzubauen. Die Herausforderung besteht darin, den Firmen genau diese strategische Freiheit zurückzugeben. Ein durchdachter, fundierter und ausgewogener Ansatz, der IT und Digital kombiniert und dabei aktuelle Geschäftsanforderungen, Innovation und Benutzerorientierung verzahnt, schafft auch innerhalb der Organisation den Mehrwert, der heute oft noch vermisst wird.

Bei Roland Berger N3XT haben wir die Expertise aus verschiedenen Disziplinen gebündelt, um Unternehmen auf diesem Weg zu unterstützen. Dabei spielen IT und digitales Set-up eine wichtige Rolle, ebenso wie die jeweils spezifischen Geschäftsanforderungen, die Geschichte und Kultur eines Unternehmens. Vor allem aber geht es oft darum, Business und IT strategisch und organisatorisch neu zusammenzuführen. Denn ohne das eine hat das andere wenig Sinn.

Auch die öffentliche Verwaltung muss sich bewegen

Wenn wir im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, steht uns ein Jahrzehnt harter Transformationen bevor. Dekarbonisierung und Digitalisierung wird die Wirtschaft aber nur dann erfolgreich umsetzen können, wenn auch der Staat seine Hausaufgaben macht. Dazu muss unsere Verwaltung flexibler werden und schneller lernen. Das kann nur durch radikale Reformen gelingen – davon haben wir in den vergangenen Jahren zu wenige gesehen. Viele spannende und wichtige Projekte könnten effizienter umgesetzt werden, wenn zeitgemäße Planungsmechanismen, -prozesse und nicht zuletzt -kapazitäten eingesetzt würden. Wenn wir solche Großprojekte – auch mit Unterstützung durch professionelle Beratungen – ambitionierter und agiler angehen, können wir mehr erreichen.

Dazu braucht es neue, kreative Ansätze. Warum führen wir nicht die Rolle von »Projekt-Beamten« ein? Persönlichkeiten mit verschiedenen Erfahrungshintergründen in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, die bereits erfolgreiche Transformationsprojekte gemanagt haben und nun für einen befristeten Zeitraum ein Projekt in der öffentlichen Verwaltung vorantreiben – und anschließend wieder auf ihren alten oder einen anderen Posten wechseln. Das würde nicht nur für zusätzliche Expertise sorgen, sondern Reformprojekten der öffentlichen Hand sicherlich auch einen gewaltigen Schub verleihen.

Agenda für 2030

Vollständig werden sich CO2-Emissionen in absehbarer Zukunft nicht vermeiden lassen. CO2-Neutralität ist daher nur erreichbar, wenn wir neben der Emissionsvermeidung auch auf Negativemissionen beispielsweise im Rahmen von Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) setzen. Ob dies gelingt, ist eine Frage der Technologie. Deswegen muss weiter in F&E investiert werden. Gleichzeitig brauchen wir eine breite öffentliche Debatte, um die Akzeptanz solcher Technologien zu verbessern.

Stefan Schaible, geb. 1968, ist seit 2020 Global Man­aging Partner der Unternehmensberatung Roland Berger. Nach seinem Studium der Chemie, Philosophie und Rechtswissenschaften an der Universität Konstanz kam Stefan Schaible 1997 zu Roland Berger, 2001 wurde er Partner. Später übernahm er die Verantwortung für den Beratungsbereich Öffentlicher Sektor & Infrastruktur, ab 2014 leitete er als CEO Germany & Central Europe das gesamte Beratungsgeschäft in der Region.